Zwischen Bocksbeutel und Burgunder – zu Besuch bei Rot Weiß Rosé

Es war schon lange her, dass ich das letzte Mal in Würzburg war. In den letzten Jahren bin ich nur mit der Bahn vorbeigefahren und habe dabei die Weinberge des Würzburger Steins bestaunt. Jedes Mal wuchs der Wunsch, wieder einmal dort zu wandern, guten fränkischen Wein zum Essen zu trinken – und natürlich den Weinladen zu besuchen, den ich schon länger auf meiner Liste hatte: Rot Weiß Rosé Premium Wein.

Anreise & erster Eindruck

Der Laden von aussenDer Laden liegt etwas außerhalb der Innenstadt von Würzburg, in einem Gewerbegebiet, ist aber hervorragend mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar (Bus 554 und 555 ab Würzburg-Zentrum). Man kann den Besuch wunderbar mit einer Fahrt nach Randersacker, Eibelstadt, Sommerhausen oder Ochsenfurt verbinden – lauter Orte mit Weinbergen, Weingütern und genug kulinarischen Auswahlmöglichkeiten für zwei Urlaube.

Mein Plan war, nach einem Ausflug zu den oben genannten Orten auf dem Rückweg an der Haltestelle Conradistraße auszusteigen. Einmal kurz nach links abgebogen – und schon steht man vor dem Laden. Von außen wirkt er unscheinbar, fast nüchtern. Das weckt zunächst keine großen Erwartungen. Doch kaum tritt man ein, ändert sich das schlagartig: Ich habe selten eine so einladende Atmosphäre in einem Weinladen erlebt.

Totale des LadensDie klare, attraktive Einrichtung strahlt trotz der Weitläufigkeit eine angenehme Wärme aus. Perfekte Beleuchtung setzt die Weine in Szene. Verschiedene Bereiche – ein kleines Wohnzimmer, die Verkostungstheke und eine gemütliche Sitzecke für Veranstaltungen – gehen nahtlos ineinander über und schaffen eine Atmosphäre, in der man sich sofort willkommen fühlt.

Sortiment & Entdeckungen

Doch ich war natürlich nicht wegen der Inneneinrichtung hier, sondern wegen der Weine – und die Auswahl ist wirklich beeindruckend. Der Schwerpunkt liegt auf Silvaner, was ich mutig finde, mitten im Silvanerland. Viele junge, aufstrebende fränkische Winzer sind vertreten, darunter Neuentdeckungen wie Weinbau Six, Max von Dungern und Tobias Winkler. Daneben finden sich die bekannten Größen Frankens: Fürst, Richard Östreicher, Rudi May und viele mehr.

Ergänzt wird das Sortiment durch eine hervorragend kuratierte Auswahl deutscher Spitzenwinzer:innen aus anderen Regionen – Keller, Dönnhoff, Georg Breuer – sowie durch internationale Highlights, vor allem aus Frankreich. Besonders beeindruckt hat mich die Champagner-Auswahl, die durch deutsche Spitzen-Sekte, etwa von Burkhardt Schür, perfekt ergänzt wird.

Ein echtes Alleinstellungsmerkmal sind die gereiften Weine, die regelmäßig angekauft werden. Wer sich für Raritäten interessiert, kann sich in eine Mailingliste eintragen lassen und wird informiert, sobald neue Schätze eintreffen.

Gespräch & Kaufentscheidung

Weinregal bei Rot Weiss RoseNach ausgiebigem Stöbern und einem sehr sympathischen Gespräch mit Sebastian Schütz, dem fachkundigen und ebenso bodenständigen Ladenbesitzer, stand ich vor der schwierigsten Aufgabe des Tages: mich für eine einzige Flasche Wein zu entscheiden.

Meine Wahl fiel schließlich auf eine Rarität: den Chardonnay „Steingrube“ (VDP.Erste Lage) vom Weingut Klaus Peter Keller – der erste Jahrgang überhaupt. Die Reben stammen aus einem 1963 gepflanzten Weinberg, der vor vier Jahren auf Chardonnay umveredelt wurde – mit bester Burgunder-Genetik. Die tief verwurzelten Rebstöcke liefern eine faszinierende Grundlage.
Der Wein lag 15 Monate im Holzfass (davon 20 % neues Holz) und anschließend drei Monate im Edelstahltank. Die Chardonnays – ebenso wie die Sekte – werden hauptsächlich von Felix Keller, dem Sohn des Hauses, betreut. Ich bin sehr gespannt, dieses Erstlingswerk in fünf bis sieben Jahren zu probieren.

Fazit

Inneneinrichtung bei Rot Weiss RoseMit seinem stimmigen Konzept und einer beeindruckenden Weinauswahl hat sich Rot Weiß Rosé längst einen Namen gemacht. 2024 wurde Rot Weiß Rosé mit dem Fachhandelspreis „Bester Weinfachhändler“ des Deutschen Weininstituts (DWI) in Kooperation mit der Fachzeitschrift WEIN+MARKT ausgezeichnet. Zudem zählt ihn VINUM zu den „25 deutschen Weinhändlern, die man kennen sollte“. Hier spürt man, dass Wein nicht einfach verkauft, sondern gelebt wird – mit Kompetenz, Leidenschaft, einem feinen Gespür für das Besondere und der Freude, immer wieder junge Talente zu entdecken. 
Schade nur, dass ich so weit entfernt wohne – sonst wäre ich sicher Stammgast bei den spannenden Veranstaltungen, die Sebastian Schütz regelmäßig anbietet.

Ein rundum gelungener Abstecher – zu einem Ort, an dem Weinverstand, Leidenschaft und Atmosphäre auf besondere Weise zusammenfinden.

Zum Abschluss wollte ich noch ein wenig mehr über den Menschen erfahren, der hinter Rot Weiß Rosé steht. Sebastian Schütz hat sich freundlicherweise die Zeit genommen, einige Fragen zu beantworten – über Leidenschaft, besondere Entdeckungen und den richtigen Moment für große Weine.

Wie hat Sie die Leidenschaft für Wein gepackt?

Ich koche, seit ich vier Jahre alt bin – da kam als begeisterter Genießer zwangsläufig irgendwann die Liebe zum und die Leidenschaft für den Wein.

Was war der spannendste Wein, den Sie je angekauft haben?
Ich erinnere mich besonders an einen Keller, den ich einmal gekauft habe: unter einer Garage gelegen, über Jahrzehnte konstant auf sechs Grad gekühlt (hallo CO₂-Footprint) und voll mit erstaunlich jugendlichen großen Burgundern aus den 60er- und 70er-Jahren. Über 2.000 Flaschen bester Häuser, deren Entwicklung durch die niedrige Temperatur extrem verlangsamt war – darunter viele vermeintlich „schwache“ Jahrgänge wie 1974 oder 1977, die sich heute in großartiger Form zeigen.

Welchen Wein würden Sie zum 50. Geburtstag empfehlen – oder selbst öffnen?

Ich glaube, am 50sten wird es kein großer Jahrgangswein werden. Ich bin kein Freund davon, die ganz großen Weine an den ganz besonderen Tagen zu trinken. Da ist man zu sehr von tausend Emotionen gepackt – und nach drei Tagen weiß man kaum noch, was im Glas war. Die ganz großen Weine genieße ich lieber an einem Mittwochabend – die machen den Moment dann ganz von selbst groß.

Kulinarische Tipps rund um Würzburg

Zum Schluss noch zwei Empfehlungen für alle, die Würzburg auch kulinarisch entdecken möchten:

Restaurant Mizar – eine großartige Küche mit regionalem Fokus. Hier wird fast ausschließlich mit fränkischen Produkten gearbeitet, und die Weinkarte besteht folgerichtig nur aus Frankenweinen. Das Menü startet um 19 Uhr und war für mich eine spannende, perfekt abgestimmte Reise durch die regionale Küche.

Düll Die Brotbäckerei – falls ihr freitags oder samstags in Würzburg seid: probiert unbedingt die Laugenbrezeln! Sie gehören zu den besten, die ich je gegessen habe – und das will was heißen, ich war schon öfter bei Fidelisbäck in Wangen im Allgäu.

Mein herzlicher Dank gilt Sebastian Schütz für die Beantwortung der Fragen. Die Fotos wurde mir von Sebastian Schütz (Fotograf: Rainer Wengel) zur Verfügung gestellt und mit seiner freundlichen Genehmigung hier veröffentlicht.

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